Der Verein ehemaliger Herschelschüler hat sich in 2007 bereit erklärt ein Stipendium für den Besuch des X-LABs in Göttingen von zwei Schülern aus dem 11. Jahrgang finanziell zu unterstützen. Hier nun die beiden Berichte der Schüler und auch einige Bilder. Vielen Dank dafür an Michael Galchenko und Claudia Morgenthal.
X LAB 2007
Es war ein Montagmorgen, an dem ich nach einer kurzen Zugfahrt auf dem Nordcampus der Uni stand und mich fragte, was mich hier wohl erwartet. Ich sah vor mir ein buntes, fünfstöckiges Gebäude, was dadurch dennoch nichts an Seriosität verlor – das XLAB. Kurz nachdem ich es mir im fünften Stock des Gästehauses bequem gemacht hatte, begann schon der Kurs „organische Reaktionsmechanismen“, in dem ich nur wenige Schüler meines Jahrgangs traf. Die meisten waren in der Kursstufe. Dennoch wurde der Stoff verständlich und für mich sehr interessant gestaltet. An jenem Abend ging ich mit meinen Zimmerkameraden in die Stadt zum Essen und zum Einkaufen.
Tag zwei brach an – das Thema hieß „Farbstoffe und Photometrie“. Wir arbeiteten mit dem Photometer und stellten Indikatorfarbstoffe her, die wir später mit Säuren und Laugen testeten. Die Gruppe bestand an dem Tag aus nur fünf Leuten, was das Arbeiten vereinfachte und beschleunigte. Nach dem Kurs machte ich mich wieder mit meinen Zimmerkameraden auf einen Trip in die Stadt, wo wir zu Abend aßen. Vor dem Schlafengehen dachte ich daran, wie bunt das Labor an jenem Tag aussah. Von nun an war er für mich der „Tag der bunten Handschuhe“.
Jeder Tag hatte ein neues Thema und das des Folgenden hieß „Komplexchemie“, was mir so gut wie nichts über den Inhalt des Kurses sagte. Den ganzen Tag beschäftigten wir uns mit Nachweisen und Reaktionsmechanismen. Nebenan experimentierte ein Schüler des 12. Jahrgangs für seine Seminarfacharbeit. Er beschäftigte sich unter anderem mit oszillierenden Reaktionen. Sein Thema hat es mir wirklich schwer angetan und ich überlegte mir, ob ich nächstes Jahr das gleiche Thema bearbeiten sollte. Am Donnerstag wurde es wirklich voll, weil alle Schüler, die vorher in der Physik waren, zusammen mit uns nun ASS, besser bekannt unter dem Namen Aspirin®, kochen wollten. Die Synthese von Aspirin war der Herstellung des Paracetamol annährend gleich.
Als es spät wurde, bestellten wir uns eine Pizza und unterhielten uns im Zimmer darüber, was die Universität und die Stadt Göttingen dem Studierenden zu bieten haben.
Der letzte Tag brach an, auf dem Plan standen „Brennstoffzellen“, an die sich wieder alle Schüler aus der Physik beteiligten. Anfangs gab es viel Theorie und danach ging es ins Labor. Wir sollten eigene Brennstoffzellen zusammenbauen. Mein Partner und ich haben bei uns eine Spannung von 1 Volt gemessen – etwas lachhaft, jedoch nicht zu unterschätzen, wenn eine größere Apparatur aufgebaut wird. Nachdem ein Großteil der Leute weg war, gingen wir ein Stockwerk tiefer in die Physik, wo wir ein kleines Auto untersuchten, das dem Wasserstoffauto von DaimlerChrysler technisch sehr ähnlich war. Eingebaut war eine Station zur Elektrolyse, in der aus Wasser Sauerstoff und Wasserstoff hergestellt wurden. Außerdem war eine Brennstoffzelle eingebaut, in der aus den beiden Komponenten, Sauerstoff und Wasserstoff elektrischer Strom erzeugt wurde. So brachten wir das Auto zum Fahren.
Schließlich kann ich sagen, dass meine Erwartungen an die Zeit im XLAB erfüllt worden sind und ich sehr froh bin, mit dabei gewesen zu sein.
Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei dem Ehemaligenverein der Herschelschule und bei den Eltern, die uns täglich mit Snacks im Begegnungscafé versorgen, für die Finanzierung und vor allem für die schöne Zeit bedanken, die ich in Göttingen dank ihnen verbringen durfte.
Michael Galchenko, 11b
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| Die drei chemischen Fakultäten |
Das X-LAB |
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| Photometer |
Herstellung von Farbstoffen |
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| Tag der Farbstoffe - ziemlich bunt : ) |
Elektrolyse |
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| missglückter Zuckernachweis |
Sonnenuntergang vom Balkon aus |
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| Experiment mit Kupfersulfat und Ethanol |
Aspirinsynthese |
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| Massenspektroskop in der anorganischen Fakultät für Chemie |
Oszillation |
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| Oszillation Stufe 2 |
Wasserstoffauto mit Brennstoffzelle |
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| Formeln für die Energiegewinnung aus Brennstoffzellen |
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Ferienkurs vom 2. – 5. April 2007 im X-LAB in Göttingen
Erst einmal ein riesiges Fragezeichen! Wie konnte es sein, dass sich für das Stipendium nur so wenige Leute beworben hatten? Dabei ist es doch eine einmalige Chance, ohne Unterricht zu verpassen, mit Unterkunft und Kostenübernahme bei einem Ferienkurs im X-LAB in Göttingen teilzunehmen. Aber Ferien sind nun einmal Ferien. Am zweiten April ging es für mich mit dem ICE Richtung Göttingen. Ich war ziemlich aufgeregt, der ICE war für mich gleich zu Beginn eine neue Erfahrung. In Göttingen angekommen traf ich dann auf Michael Galchenko, den zweiten Stipendiaten, der sich gleich noch eine zweite Woche im X-LAB auf eigene Kosten genehmigen wollte. Mit einer viel zu schweren Tasche ging es dann mit dem Bus zum X-LAB. Das Labor und das zugehörige Gästehaus standen in der zweiten Ferienwoche bis auf uns paar Leute nahezu leer.
Der Kurs „Vom Gen zum Protein“ wurde geleitet von Dr. Eva Corinna Feil, einer stets gut gelaunten Frau. Der Kurs war durch den Karfreitag auf vier Tage verkürzt. Wir waren eine Gruppe von elf Leuten, die bis auf drei Personen aus Schülern aus dem zwölften Jahrgang bestand. Diese waren schon weiter im Biologieunterricht fortgeschritten und hatten schon einige Kursinhalte im Unterricht durchgenommen. Wir erhielten einen Einblick in die moderne Molekularbiologie unterlegt mit praktischen Experimenten. Fragen an Frau Feil wurden von ihr immer ausführlich und verständlich erklärt. Teilweise lieferte sie sogar noch am nachfolgenden Tag fragenspezifisches Informationsmaterial. Durch die kleine Gruppe wurde natürlich ein viel intensiveres Arbeiten ermöglicht als es innerhalb der Schule möglich ist. Gearbeitet wurde hauptsächlich in Zweierteams. Das ganze nannte sich dann auch Intensivkurs Molekularbiologie. Da ein Tag weniger zum Experimentieren vorhanden war, kürzte sich auch innerhalb der Experimente ein Teil weg, was sich allerdings nicht als sonderlich tragisch erwies. Auch wenn die Zeit etwas knapp bemessen war, blieb trotzdem noch Zeit für ein wenig Spielerei, z.B. hatten wir flüssigen Stickstoff, in den dann auch mal statt Reaktionsgefäßen eine Blüte landete, die kurz darauf im gefrorenen Zustand auf dem Labortisch zersprang.
Der Ferienkurs läuft jedes Mal ein wenig anders ab, so gab es Experimente, die auch Frau Feil erst einmal durchgeführt hatte. Um zu erfahren, was passieren würde, wenn man einige Komponenten innerhalb eines Experiments umwandelt, verlängerten wir z.B. den Hitzeschock dem eine Bakterienkultur ausgesetzt werden sollte. Dadurch ergaben sich auch für die erfahrene Doktorin Sachverhalte, die nicht mit ihrem Gelernten übereinstimmten. So wuchsen dann Bakterienkulturen, die einem vierminütigen Hitzeschock ausgesetzt wurden, plötzlich viel besser, als nach zwei Minuten Hitzeeinwirkung, obwohl sie eigentlich bei einem Hitzeschock, der mehr als zwei Minuten währt, deutlich geschwächt hätten sein sollen.
Dadurch, dass sich Theorie- und Praxisteile locker abwechselten, sank die Konzentration auch bei den Kurszeiten von 9.00-17.00 Uhr mit jeweils einer Stunde Mittagspause nur geringfügig ab. Zum Frühstück mussten wir in die oberste Etage des X-LABs hecheln. Die Benutzung des Fahrstuhls war zu Recht dem Lehrpersonal vorenthalten, da der Fahrstuhl angeblich gerne mal stecken blieb. Zum Mittag konnten wir uns in der Nordmensa, direkt hinter dem Gästehaus gelegen, Essen zum Studentenpreis kaufen. Wir hatten immer die Wahl zwischen zwei Gerichten. Nachdem wir einmal selbst zu dritt unsere Mahlzeit im Appartement zubereitet hatten, wussten wir die Mensa noch mehr zu schätzen.
Wenn das Wetter es erlaubte ging es abends mit Inlinern auf Göttingen-Entdeckungstour. Im Dönerladen kannte man sich dann schon. Göttingen ist eine schöne Studentenstadt und das Universitätsgelände ist riesengroß. Von Fahrrädern wimmelt es nur so. Sie werden dort sogar notfalls kostenpflichtig entfernt, was ich sonst eher von Autos kenne.
Mit einem traurigen Gefühl suchte ich am Donnerstagnachmittag zum letzten Mal meine Unterlagen zusammen. Am Abend quetschte ich mich in den überfüllten Zug nach Hannover, glücklich über meine Sitzplatzreservierung.
Vielen Dank an dieser Stelle an den Elternverein und das Begegnungscafé, die jeweils ein Stipendium finanzierten. Im Kurs habe ich in diesen vier Tagen viel Neues kennen gelernt, das mir sicher zum Abitur viel Nutzen bringen wird und ich habe das Gefühl, meine Ferien sinnvoll verbracht zu haben.
Claudia Morgenthal, Klasse 11a